11+
Uraufführung
Tanztheater | 75 Min. | Eigen- & Koproduktion, Premiere
Patchwork 2+2=1
TheaterFOXFIRE & DSCHUNGEL WIEN
Zwei Generationen treffen aufeinander
Wenn man als alleinerziehender Elternteil eine neue Partnerschaft eingeht, beginnt das Abenteuer „Patchworkfamilie". Jetzt heißt es, die einzelnen „Puzzleteile" zusammenzufügen, obwohl es natürlich keine genaue Vorlage gibt. "Patchwork" erzählt von Mathieu (gerade 16 Jahre alt geworden), der seit der Trennung seiner Eltern mit seinem Vater, Jacques, alleine lebt und von Marc (8 Jahre) und seiner Mutter Kim, dessen Eltern sich schon kurz nach seiner Geburt getrennt haben. Eigentlich hat sich Mathieu schon immer einen Bruder gewünscht, aber dass der auch gleich in sein Zimmer zieht, war nicht sein Plan und eigentlich ist er ja auch schon zu alt für eine neue Mutter, findet er.
Jacques und Kim versuchen ihr Bestes. Vor allem was die Zeitpläne betrifft: Wann ist welches Kind bei seiner (leiblichen) Mutter resp. Vater? Doch das will auch nicht immer so klappen und endet in den absurdesten Situationen. Nicht zuletzt spricht Kim mit ihrem Sohn chinesisch, Jacques wiederum mit seinem Sohn französisch. Beide Erwachsene verstehen zwar deutsch, unterhalten sich aber auf Englisch, während die beiden Jungs einfach deutsch miteinander reden.
Besetzung
Regie, Choreografie und Konzept: Corinne Eckenstein / Choreografie, Coach: Giordana Pasccuci / Dramaturgie, Assistenz: Anna Sonntag / Bühne: Andreas Pamperl / Kostüme: Ulli Nö / Licht: Severin Mahrer, DSCHUNGEL WIEN / Choreografie, TänzerInnen: Christophe Dumalin, Apollo Pamperl, Gabriel Scheib, Yap Sun Sun
Die Patchwork-Familie ist nicht zuletzt Ausdruck der Globalisierung. Menschen unterschiedlichster Nationalitäten, Herkunft und Biografien treffen aufeinander, was auch Auswirkungen auf die sozialen Beziehungen innerhalb der Gesellschaft hat und Konfliktstoff in sich birgt.
„Patchwork" ist eine Versuchsanordnung. Auf der Bühne sehen wir die Schauspielerin Yap Sun Sun gemeinsam mit ihrem 8-jährigen Sohn Apollo und den Tänzer Christophe Dumalin mit seinem 16-jährigen Sohn Gabriel. Vieles hat mit ihren persönlichen Geschichten zu tun und doch ist es der Versuch einer Annäherung an einen Lebensentwurf, der für viele Kinder und Jugendliche heutzutage ein Teil ihrer Realität geworden ist.
„Die neue (Patchwork)Familie hat keine gemeinsame Geschichte, die Lebensphasen überschneiden sich. Sie kann auf keine Tradition zurückgreifen, dafür hat sie die Chance neue Rituale entstehen zu lassen." von Barbara Link aus `Moderne Familienformen`
Irgendwie klingt Patchwork-Familie nach lustigem kunterbuntem Zusammenleben, doch die Wirklichkeit sieht meistens anders aus. Viele Verletzungen durch Trennung oder Tod eines Elternteils sind vorangegangen, die sich nicht einfach so ohne Konflikte vom Tisch wischen lassen. Auch die gesamte Familienkonstellation ist plötzlich ein andere, war man in der Kernfamilie noch die Älteste, ist man plötzlich die Mittlere, war man der einzige Junge, hat man plötzlich Brüder. Das kann alles bereichernd und schön sein, aber auch schwierig und verunsichernd.
"Ganz normaler Alltagswahnsinn einer (Patchwork-)Familie"
"Patchwork - 2 + 2 =1 - ein spannendes, witziges, ideenreiches Stück Familientheater
Na Bravo. Jetzt muss der 16-jährige Mathieu sein Zimmer mit einem "neuen Bruder" (Marc, 8 J.) teilen. "Und die teilen sich zu zweit zwei Zimmer, dabei wollen sie doch immer zusammen sein", klagt er über seinen Vater Jacques, mit dem er bisher allein gewohnt hat, und dessen neue Freundin Kim, Marcs Mutter. 2+2=1 lautet die Formel für diese Patchworkfamilie.
Es ist weder eine Ach-wie-arm-sind-Trennungskinder- noch eine Wie-ursuper-ist-so-eine-neue-bunt-zusammengewürfelte-Family-Geschichte. Ein wunderbar-herrlich-skurriler vor allem getanzter, mit wenigen Worte erzählter, intensiv gespielter Bilderbogen über den ganz normalen Wahnsinn eines Familien-Alltags tut sich auf der Bühne im großen Saal des Dschungel Wien auf."
Heinz Wagner, KiKu, 28. Mär. 2011
"Es geht doch mit dem Patchwork. Irgendwie"
"Am schönsten ist die Szene, in der Vater und Sohn alleine auf der Bühne sind: Der Vater steckt dem schmollenden 16-Jährigen den Zeigefinger ins Ohr. Knufft und pufft ihn, tanzt um ihn herum, will ihn umarmen. Wie um zu demonstrieren: Ich habe zwar jetzt eine neue Frau mit einem neuen Kind, aber du bist und bleibst mein liebster, mein wichtigster Verbündeter.
Es ist ein hoch aktuelles THema, das da im Stück "Patchwork 2+2=1" thematisiert wird. Wie kompatibel sind die "alten" Familienstrukturen mit einem neuen Partner, mit neuen Geschwistern? Wie schaffen es alle Beteiligten, dass keiner ins Hintertreffen gerät?
Corinne Eckenstein arbeitet es im DSCHUNGEL WIEN auf humorvolle Art auf: Lässt ihre vier Protagonisten - Yap Sun Sun mit ihrem 8-jährigen Sohn Apollo und Christophe Dumalin mit Sohn Gabriel - lachend über die Bühne wirbeln. Lässt sie liebenswert-chaotisch Französisch. Englisch, Deutsch und Chinesisch reden. Beziehungskiste zum Gernsehen.
Susanne Lintl, Kurier, März 2011
"Ingwer statt Pizza"
"Mathieu ist 16 und das beschauliche Leben mit seinem Vater Jacques findet ein jähes Ende, als Kim und ihr achtjähriger Sohn Marc in die Wohnung einziehen. Die neue Familie löst (nicht nur) bei dem Jugendlichen ein gewaltiges Chaos aus, das in „Patchwork" mit viel Humor und guter Laune vorgeführt wird.
[...]
Corinne Eckensteins Inszenierung spielt mit [...] oberflächlichen Reibereien, stellt deren Absurdität in den Vordergrund des Stücks und vermeidet damit jeden Pathos. Wenn sich am Ende so etwas wie Harmonie einstellt, weil man sich allmählich aneinander gewöhnt hat, passt das zum heiter-leichten Grundton des Stücks. Dann werden auch die einfachen choreografischen Sequenzen, die im Laufe des Stückes immer wieder auftauchen, (fast) perfekt im Quartett getanzt. Das Stück wurde von den Beteiligten gemeinsam erarbeitet, die alle Patchwork-Erfahrungen eingebracht haben. Im wirklichen Leben ist Gabriel Scheib der Sohn des Tänzers und Schauspielers Christoph Dumalin, und die Schauspielerin Yap Sun Sun die Mutter von Apollo Pamperl.
Man erlebt eine etwas verrückte, aber sehr sympathische kunterbunte Family, die sich zusammenrauft. Die Geschichte wird aus der Perspektive des Jugendlichen erzählt, der die tragende Rolle einnimmt. Der talentierte Gabriel Scheib hat nicht nur das Zeug zum Schauspieler, sondern spielt auch Trompete. In das rasante Stück bringt er mit einem kurzen Trompetensolo einen wunderbaren Moment der Ruhe ein."
Edith Wolf-Perez, tanz.at, 18. Mär. 2011